Fünf Jahre bei OKM Detectors: Der Weg vom Start-up zur Übernahme eines Weltmarktführers
Es ist fünf Jahre her, dass ich in einem Bremer Notariat mit den Gründern von OKM Detectors saß und die Hälfte der Unternehmensanteile erwarb. Es war die größte wirtschaftliche Entscheidung meines Lebens – und zweifellos eine der schwierigsten. Ich hatte mein gesamtes Erspartes und mein Aktiendepot investiert, bedeutende Fremdmittel aufgenommen und mich auf ein Abenteuer eingelassen, das mich bis nach Ostthüringen führte.
Am Tag vor der Vertragsunterzeichnung saß ich an meinem Schreibtisch und erstellte eine Liste mit Pro- und Contra-Argumenten für die Übernahme. Rational betrachtet hätte es genügend Gründe gegeben, sich gegen das Investment zu entscheiden. Wahrscheinlich hätten viele meiner Freunde dies auch getan. Doch etwas in mir sagte mir, dass dies der richtige Schritt war. Dieses Bauchgefühl gab mir das Vertrauen, die Herausforderungen zu meistern und daran zu wachsen.
Vom Start-up in Berlin zum Mittelstand in Thüringen
Warum entschied ich mich nach meiner Erfahrung in der Start-up-Welt für ein mittelständisches Unternehmen? Meine Peer Group drängte in die Start-up-Szene, um Co-Founder zu werden – ich selbst eingeschlossen. Doch ich erkannte die Chancen, die der deutsche Mittelstand bietet: hochprofitable Unternehmen, oft mit stabilen, nachhaltigen Geschäftsmodellen, die Nachfolger suchen. Dazu kommt, dass die Finanzierung durch Mittelstandsbanken damals sehr attraktiv war und es damals noch wenig Konkurrenz von Private-Equity-Fonds gab. Persönlich sah ich ein deutlich attraktiveres Risiko-Rendite-Verhältnis im Vergleich zu Venture-Capital-finanzierten Start-ups.
Nach einem neunmonatigen Suchprozess, in dem ich über 450 Teaser gelesen, mit rund 100 Unternehmern telefoniert und 20 Unternehmen besucht hatte, fiel meine Wahl auf OKM Detectors. Das Unternehmen, gegründet 1998 in einer Chemnitzer Garage von Andreas Krauss, war der Weltmarktführer für Metalldetektoren und 3D-Bodenscanner. Es bediente vor allem Schatzsucher, die in bis zu 20 Metern Tiefe nach vergrabenen Schätzen suchten, und operierte aus einer goldenen Pyramide im Gewerbegebiet von Altenburg – eine drastische Veränderung im Vergleich zu meinem Leben in Berlin Mitte.
Mit rund 20 Mitarbeitern stand OKM solide dar, doch es fehlte an frischem Wind. Die Produktentwicklung stagnierte, die Website war veraltet, und im Vertrieb fehlte es an neuen Ansätzen. Es gab viele „low-hanging fruits“, und ich war entschlossen, das Unternehmen auf neue Wege zu führen.
Die ersten Herausforderungen: Corona und die Chipkrise
Kurz nach der Übernahme im September 2019 begann meine Reise als geschäftsführender Gesellschafter, gemeinsam mit dem technischen Gründer Andreas Krauss. Die Anteile des kaufmännischen Gründers hatte ich bereits komplett übernommen, und ich besaß eine Option, die restlichen 50 Prozent des technischen Mitgründers innerhalb von sieben Jahren zu erwerben. Zu diesem Zeitpunkt war es mir wichtig, einen Gründer an Bord zu behalten, um das Risiko zu minimieren.
Doch kaum hatte ich meinen neuen Posten angetreten, traf uns die erste große Herausforderung: Im Dezember 2019 wurde der erste Corona-Fall in Wuhan, China, bekannt – der Stadt, in der einer unserer wichtigsten Händler ansässig war. Die Pandemie brach über die Welt herein, und für mich, der gerade erst eine millionenschwere Investition abgeschlossen hatte, stellte sich die Frage, wie ich das Unternehmen sicher durch diese Krise führen könnte. Einige Märkte, insbesondere China und Südamerika, brachen komplett weg. Es gab Tage ohne eine einzige Kundenanfrage, und die Unsicherheit wuchs.
Ich entschied mich, Kurzarbeit anzumelden, um die Kosten zu senken. Doch rückblickend war dies ein Fehler. Statt Unsicherheit abzubauen, schürte ich sie bei den Mitarbeitern. Diese Phase war eine wichtige Lektion für mich: Krisenmanagement bedeutet nicht nur Kostenoptimierung, sondern auch den richtigen emotionalen Umgang mit dem Team.
Kaum hatten wir die Pandemie einigermaßen überstanden, traf uns die nächste Krise: die globale Chipknappheit. Als Hardwarehersteller waren wir auf eine konstante Lieferfähigkeit angewiesen, doch die Kosten für Bauteile schossen in die Höhe. Unsere Entwickler mussten sämtliche Leiterplatten für das gesamte Produktportfolio neu entwerfen, um mit den verfügbaren Chips arbeiten zu können. Ich erinnere mich noch gut an die Nächte, die ich selbst am Bestückungsautomaten verbrachte, um sicherzustellen, dass wir unsere Aufträge bedienen konnten.
Wachstum trotz Widrigkeiten
Trotz dieser Rückschläge gelang es uns, OKM weiter auszubauen. Wir gründeten gemeinsam mit Stefan Wildhagen, einem der bekanntesten YouTuber in der Schatzsucher-Szene, die Tochtergesellschaft Crazy Detectors GmbH, um den Hobby-Markt besser zu bedienen. Es war eine der effizientesten Firmen, die ich je aufgebaut habe, und es brachte uns als Team viel Freude und Erfolg.
Zusätzlich gründeten wir Vertriebsgesellschaften in der Türkei und den USA, um näher an unseren Kunden zu sein. Auch hier gab es Rückschläge: In der Türkei mussten wir das lokale Management austauschen, nachdem Gelder veruntreut und Produkte unter Marktpreis verkauft worden waren. Doch nach der Umstrukturierung lief es besser als je zuvor.
Im Jahr 2021 zog ich schließlich die Option, den technischen Gründer Andreas Krauss vollständig aus dem Unternehmen herauszukaufen. Das technische Wissen war inzwischen auf die Ingenieure übergegangen, und ich fühlte mich sicher genug, OKM allein weiterzuführen. Es war die richtige Entscheidung.
Ein Blick in die Zukunft
Die vergangenen fünf Jahre waren fordernd, lehrreich und erfüllend. Jede Krise brachte neue Erkenntnisse, und jede Herausforderung ließ uns als Team enger zusammenwachsen. Heute ist OKM stärker als je zuvor, und wir sind bereit, die nächsten Schritte zu gehen. Wir planen, unsere Technologie auf industrielle Anwendungen auszuweiten und uns unabhängiger von der Schatzsucher-Szene zu machen.
Wir haben in den letzten fünf Jahren viel erreicht, und ich freue mich auf die kommenden Herausforderungen. Es geht darum, OKM weiter zu professionalisieren und Prozesse zu optimieren. Und ich bin sicher: Mein Platz in diesem Unternehmen wird sich in den nächsten Jahren noch weiterentwickeln. Darauf freue ich mich – denn es war letztlich mein Bauchgefühl, das mich auf diesen Weg geführt hat. Und es hat mich nicht enttäuscht.